Glaubenssätze: Die Sätze, die du nie laut sagst – und die trotzdem alles bestimmen.

Veröffentlicht am 29. Mai 2026 um 07:17

 

Ich erinnere mich an eine Klientin – ich nenne sie einfach Maria.

Maria war Ende dreißig, beruflich erfolgreich, hatte einen netten Mann, zwei Kinder, ein Haus. Alles, was man so braucht. Und trotzdem kam sie zu mir mit dem Gefühl, irgendwie nie genug zu sein.

Nicht genug als Mutter. Nicht genug als Frau. Nicht genug als Mensch.

Im Gespräch tauchte irgendwann ein Satz auf. Ganz beiläufig, fast nebenbei: Na ja, bei mir war das halt immer so, dass man erst etwas leisten muss, bevor man sich etwas gönnen darf.

Ich hab sie gefragt: Von wem hast du das?

Lange Pause.

Von meinem Vater, glaub ich.

Dieser eine Satz. Seit dreißig Jahren in ihr drin. Und sie hat ihn nie laut gesagt, nie wirklich gedacht – er war einfach da. Als Wahrheit. Als Gesetz.

Was sind Glaubenssätze eigentlich?

Glaubenssätze sind keine Überzeugungen, die wir uns bewusst ausgesucht haben. Sie entstehen früh – meistens in der Kindheit, oft durch Wiederholung, manchmal durch ein einziges Erlebnis, das sich tief eingraviert hat.

Ich bin nicht gut genug. Gefühle zeigen ist Schwäche. Erfolg muss man sich verdienen. Ich darf nicht zu viel wollen.

Du erkennst sie nicht daran, dass du sie denkst. Du erkennst sie daran, was du tust – oder eben nicht tust.

Du bewirbst dich nicht, obwohl du die Stelle könntest. Du sagst Ja, obwohl du Nein meinst. Du hilfst anderen, aber dir selbst erlaubst du es nicht.

Das ist kein Charakterfehler. Das ist ein Glaubenssatz, der seinen Job macht.

Und was jetzt?

Hier ist das Entscheidende: Ein Glaubenssatz verliert seine Macht nicht dadurch, dass du ihn erkennst. Das reicht meistens nicht.

Was wirklich hilft, ist ihn zu hinterfragen. Nicht bekämpfen – hinterfragen.

Stimmt das wirklich? Immer? In jeder Situation? Wer hat dir das gesagt – und hatte derjenige selbst ein gutes Leben damit?

Im systemischen Coaching arbeiten wir genau an diesen Stellen. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, nicht mit Ratschlägen. Sondern mit Fragen, die dich selbst draufkommen lassen, was wirklich gilt – und was du vielleicht schon längst loslassen könntest.

Maria übrigens hat irgendwann angefangen, sich samstags zwei Stunden für sich zu nehmen. Einfach so. Ohne schlechtes Gewissen.

Klingt klein. War es nicht.

Wenn du das Gefühl hast, dass irgendetwas in dir dich bremst – ohne dass du genau weißt was – dann ist ein erstes Gespräch vielleicht der richtige Schritt. Kostenlos, unverbindlich, auf Augenhöhe.

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